Oneys Welt - Das Leben der Dämonen 3




KAPITEL 1

Ich wartete in Pikujas Klinik darauf, dass mir mein Gips vom Arm genommen wurde. Pikuja war trotz schneller Heilung sehr übergenau und das störte mich teilweise sehr. Andererseits war es auch gut, denn sonst würde mein Arm vielleicht schief zusammen wachsen. Nach einigen Minuten Wartezeit öffnete sich die Türe des Behandlungsraumes und Pikuja kam zu mir. Liebevoll gab er mir einen Kuss und strich mir über die Wange. Im Anschluss entfernte er mir den Gips und warf ihn weg. „Geht es dir soweit gut, Mäuschen?“, fragte er besorgt. „Ja, es ist alle in Ordnung.“ „Ich hab mit dem Meister geredet.“ „Du klingst nicht erfreut. Was sagt der Meister?“ „Es wird keine Verhandlung geben.“ „Warum nicht?“ „Es gibt keine Beweise gegen Dahakt und euer Gespräch zählt nicht. Dahakt sagte, was er zu dir sagte, war auf das Päckchen in der Schule bezogen.“ „Du meinst, dass er meine Aufmerksamkeit wollte?“ „Ja genau das. Nikita sucht momentan nach stichfesten Beweisen, aber er denkt, dass er nichts finden wird.“ „Das heißt, dass es nun so weiter gehen wird, bis er einen Fehler macht oder?“ „Ja. Im ganzen Haus war nichts zu finden.“ „Was ist mit der Damenunterwäsche?“ „Dort war nichts mehr, Oney.“ „Wann wurde das Haus angeschaut?“ „Als Dahakt beim Meister war und du bei mir warst.“ „Dann hilft ihm jemand.“ „Diesen Gedanken hatte ich auch schon.“ 

 

Missmutig schaute ich ihn an und sagte: „Wir müssen nur den Komplizen finden und schon hätten wir die Beweise.“ „Der müsste mit Nikita zusammen arbeiten.“ „Er arbeitet nicht mit vielen zusammen. Es sind Arxel und Palk oder?“ „Ich frag den Meister, aber du machst diesmal nichts auf eigene Faust.“ „Ich werde artig sein, versprochen.“ „Irgendwas sagt mir, das du das nicht sein wirst.“ „Ich will nur mit Nikita darüber reden, aber vielleicht ist auch das ein Fehler.“ „Traust du Nikita so etwas zu?“ „Nein und ja.“ „Das musst du mir erklären.“ „Nikita wuchs bei einer Hexe auf und sucht hier Anerkennung. Anderseits fühlt er sich schon wohl und muss niemanden etwas beweisen.“ „Ich sag dir Bescheid, wer alles mitarbeitet und du kannst dir ein Bild darüber machen.“ „Danke, Schatz.“ „Für dich mach ich das gerne, Mäuschen.“ 

 

Nach diesen Satz stand ich auf und gab Pikuja einen Kuss. „Bist du zuhause oder in der Schule?“, fragte er mich und schaute mich skeptisch an. „Ich bin zuhause um etwas für die Schule zu machen.“ „Bis heute Abend, Mäuschen.“ „Bis später.“ Nach einen weiteren Kuss verließ ich die Klinik und ging nach Hause. Als ich am Haus ankam, schloss ich die Türe auf und betrat es. Ich schloss die Türe hinter mir und tauschte meine High Heels gegen meine Hausschuhe. Da mein Laptop in der Küche auf dem Tisch lag, ging ich dorthin und setzte mich vor den Laptop. Dieser war noch an und ich klappte ihn nur auf. Bislang hatten wir nur Schüler für die ersten beiden Klassen, aber bald gab es auch eine Dritte Klasse und dafür musste ich den Unterricht planen. Es war logisch, dass es bald auch die Dritte und danach die Vierte Klasse gab, aber ich hatte alles nach hinten geschoben, bis es soweit war. Deswegen hatte ich momentan zu viel Arbeit und zu wenig Freizeit. 

 

Neben mir auf dem Tisch lagen zwei alte Dämonenbücher, in denen ich immer wieder etwas nachschlug und in den Laptop tippte. Der Meister wollte am Ende der Woche alle Unterlagen für die Dritte Klasse haben. Dazu gehörten Bücher und Arbeitsblätter. Meine Unterlagen wurden mit den alten Dämonen besprochen und erst wenn alle das Ok gaben, wurde es gelehrt. Mit meiner Arbeit verbrachte ich einige Stunden und es wurde spät. Pikuja war bis jetzt noch nicht zurück von der Klinik und ich wurde ungeduldig. 

 

Seit dem Vorfall mit der Vergewaltigung, wollte ich nicht mehr alleine zuhause sein. Blacky war zwar im Haus, aber trotzdem wurde ich zu später Stunde nervöser. Wie ich im Augenwinkel sah, ließ Nikar die Jalousien runter und Marius half ihm dabei. Sofort danach stand Marius neben mir und zeigte mir seine Arbeiten. Nikar stellte mir eine Flasche Blut hin und verließ die Küche. Ich warf einen Blick auf die Arbeiten und lobte Marius für seine gute Arbeit. Er war mein Schüler und wollte mich beeindrucken. Genau das merkte ich jedes Mal, wenn er mir seine Arbeiten gab. Nach meinem Lob, verließ Marius mit seinen Blättern die Küche und ich griff zur Blutflasche. Diese trank ich und klappte nebenbei den Laptop zu. Für heute hatte ich genug gearbeitet, dachte ich mir und stand auf. Die leere Blutflasche stellte ich an die Spüle und ging nach oben ins Wohnzimmer. Nach einem Blick auf die Uhr, wusste ich genau, das Pikuja nicht mehr kommen würde. 

 

Niedergeschlagen ging ich ins Schlafzimmer und von dort aus ins angrenzende Badezimmer. Nach kurzen zögern schaltete ich die Dusche an und zog mich aus. Da das Wasser sofort warm war, stellte ich mich unter die Dusche und wusch mir zuerst die Haare. Nachdem diese sauber waren, wusch ich meinen Körper. Nach wenigen Minuten war ich fertig damit und spülte den letzten Schaum von mir. Ich stellte das Wasser ab und griff zum Handtuch. Eilig trocknete ich mich ab und band es mir um. Danach ging ich vor den Spiegel und kämmte mir meine Haare. Als ich fertig damit war, legte ich die Bürste auf die Ablage vorm Spielschrank und ging wieder nach unten. Sehr schnell schloss ich die Türe ab und ging wieder nach oben. Dabei drückte ich den Lichtschalter und das Licht im Erdgeschoss erlosch. Auf dem Weg ins Schlafzimmer, schaltete ich das Wohnzimmerlicht aus und warf das Handtuch ins Badzimmer. Müde wie ich war, legte ich mich ins Bett und deckte mich zu. Ich schlief lange Zeit nicht ein und drehte mich ständig von der einen Seite zur anderen Seite. Nach scheinbar endloser Zeit, schlief ich ein.

 

In der Früh war ich immer noch müde und wollte nicht aufstehen. Die Nacht war der reinste Graus, denn mich plagten Alpträume. Es war selten, dass Dämonen Alpträume hatten, denn Dämonen verursachten Träume und haben nicht selbst welche. Bei meinen Gedanken an die Träume bekam ich sofort Gänsehaut. Immer wieder träumte ich von der Vergewaltigung, aber ich wollte es niemanden sagen. Ich blieb noch einige Zeit liegen und starrte an die Decke. Nach dieser Zeit stand ich auf und ging zum Kleiderschrank. Dort nahm ich mir frische schwarze Unterwäsche und ein schwarzes Kleid raus. Diese Sachen zog ich sofort an und schloss den Schrank wieder. Ohne weiter über meinen Alptraum nachzudenken ging ich nach unten in die Küche und setzte mich vor den Laptop. Dieser lief noch immer, aber nur, weil er am Ladekabel angeschlossen war. Nikar kam zu mir und stellte mir eine Flasche Blut und eine Tasse Tee hin. Ohne etwas zu sagen ließ er mich wieder alleine und kümmerte sich, wie ich mitbekam um den Haushalt. 

 

Ich starrte meine Arbeit von gestern an und dachte nach. Nebenbei trank ich mein Blut und den Tee. Einen wirklich klaren Gedanken konnte ich nicht fassen und blätterte wahllos im Buch rum. Mich interessierte mehr, wer mit Nikita arbeitete und wer Dahakt half, als die Schüler. Ich wollte nicht selbst dem Meister fragen, denn er würde es mir nicht sagen. Das Telefon riss mich aus meinen Gedankengängen und ich sprang auf. Eilig lief ich zum Telefon und schaute auf dem Display. Es war Pikujas Nummer und ich ging ran: „Ja?“ „Hast du gut geschlafen, Mäuschen?“, fragte mich Pikuja besorgt.

 

„Nein, weil du nicht da warst.“ „Das tut mir leid. Es waren gestern drei Hexen bei mir, als Notfall.“ „Geht es weiter?“ „Ja, die Vergewaltigungsfälle hören nicht auf. Dachtest du, es hört auf?“ „Einerseits ja, aber dann wäre er dumm. Er ist zwar verdächtig, aber wenn er aufhören würde, würde es den Verdacht bestätigen.“ „Du hast recht, aber man merkt, dass der Täter sauer war.“ „Ich kann mir denken, dass er sauer ist.“ „Du bleibst zuhause und verlässt das Haus nicht.“ „Warum?“ „Ich mach mir Sorgen um dich und will nicht, dass dir etwas passiert, solang ich hier bleiben muss.“ „Hast du wenigstens schon mit dem Meister geredet?“ „Nein.“ „Kommst du heute Abend nach Hause?“ „Das kann ich dir nicht versprechen.“ „Ich hätte dich gerne bei mir.“ „Du bleibst zuhause und kommst auch nicht zu mir.“ „Wie du willst“, meinte ich beleidigt. „Ich versuche Heim zu kommen.“ „Ich vermiss dich.“ „Ich dich auch, aber so wie du redest, vermisst du eher mein Glied.“ „Das auch.“ „Du wirst es schon noch ein bisschen aushalten, wenn nicht, ruf mich an.“ „Ich will nicht stören.“ „Mach es trotzdem. Ich vermiss dich und liebe dich.“ „Ich dich auch, Schatz.“