Oneys tote Jahre


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KAPITEL 1

TAG 1 01.11.1532

Mein wunderschöner Traum verblasste und ich öffnete langsam die Augen. Meine Umgebung nahm ich verschwommen wahr, aber ich merkte, dass ich in einem weichen Bett lag. Den Tod hatte ich mir schlimmer vorgestellt, wie er war, aber ich hatte großen Hunger und wollte etwas Blut haben. Mit meiner Zunge befeuchtete ich meine Lippen und spürte wie meine Eckzähne sich rausschoben. Langsam nahm ich mehr wahr und schob eine dicke Decke von mir. Irgendetwas roch in diesem Zimmer sehr gut und ich setzte mich vorsichtig auf. Ich hoffte, dass ich bald mehr sehen würde, als diese verschwommene Umgebung. Ich atmete tief ein und leckte mir nochmals über die Lippen. Jemand roch nach Angst und leicht nach Blut. Mein Hunger trieb mich zum Aufstehen. Langsam stolperte ich durch den Raum und folgte nur dem Geruch. Abrupt blieb ich stehen, da ich mit meinen Füßen an etwas weiches stieß. Es fühlt sich wie ein menschlicher Körper an und ein knurren entkam meiner Kehle. 

 

Einen so unbändigen Hunger hatte ich bislang noch nicht verspürt. Ich stupste dieses weiche etwas an und es wimmerte. Dies förderte sofort meinen Hunger und ich ging in die Hocke. Da ich nicht gut sehen konnte, tastete ich mehr nach meinem Essen. Ich sah diesen Menschen verschwommen vor mir und griff nach ihm. Mehr wie ein wimmern brachte er nicht hervor. Sofort griff ich diesen Menschen fester und zog ihn näher zu mir. Als ich an seinem Hals war, atmete ich seinen Geruch ein und biss ihn in den Hals. Es war sehr nett, das dort ein männlicher Mensch war, denn auf eine Frau hätte ich mich nicht gefreut. Ich genoss das Blut, das mir in den Mund lief und schluckte es hinunter. Es schmeckte genauso köstlich, wie der Mensch roch. Es machte mich förmlich an, den Menschen seine Lebensenergie zu nehmen. Nach dem der Mensch fast Blutleer war, hörte ich auf und ließ ihn zu Boden fallen. Ich wollte sein Herz und dieses holte ich mir sofort. 

 

Mit einen kräftigen Schlag gegen den Brustkorb durchschlug ich diesen, ohne mich zu verletzen und griff nach seinem Herzen. Sofort riss ich es heraus und biss hinein. Das Herz teilte ich mir in kleine bissen ein und das warme Blut, was aus dem Herz lief, lief mir übern den Mund in mein Dekolleté. Kurz bevor ich das Herz aufgegessen hatte, hörte ich wie sich eine Türe öffnete. Diese war nah und ich schaute zu dem Geräusch. „Ich bin es, Oney“, erklang eine Stimme und ich dachte nach. Es war kein Feind, sondern ein Mitdämon und ich grinste. „Dir scheint dein Essen geschmeckt zu haben“, sagte jemand und klang sehr zufrieden. „Es war so köstlich“, sagte ich mit bebender Stimme und aß mein Herz auf. Die Stimme konnte ich immer noch nicht zuordnen, aber ich wusste, dass er mir nichts antun wollte. „Deine Augen wirken noch etwas trüb. Siehst du gut?“ „Nein“, antwortete ich enttäuscht und erhob mich aus meiner Hocke. Mit einer Hand wischte ich mir über den Mund um das Blut zu entfernen. 

 

Ich hörte Schritte auf mich zukommen und sie stoppten vor mir. Mir wurde über die Wange gestrichen und kurz darauf leckte mir jemand über mein Dekolleté. Angetan von dem Gefühl, stöhnte ich auf und tastete nach meinen Gegenüber. „Du legst dich wieder ins Bett, Mäuschen“, erklang die Stimme und ich wurde hochgehoben. „Warum?“, fragte ich enttäuscht und strich vorsichtig meinen Gegenüber über den Hals. „Weil du kaum etwas siehst und nicht viel anhast.“ Amüsiert kicherte ich und mein Gegenüber legte mich ins Bett. Kurz darauf legte er die Decke über mich und ich fragte: „Du bist Pikuja, richtig?“ „Ja, Mäuschen. Du solltest noch etwas schlafen.“ „Es war schön, dass du das Blut abgeleckt hast.“ „Dein Geruch ist schuld daran.“ „Es riecht gut in diesem Raum.“ „Hast du noch Hunger?“ „Ja“, antwortete ich mit knurrenden Unterton und leckte mir über die Lippen. „Du bekommst später noch etwas. Zieh die Zähne ein.“ „Ich will jetzt etwas. Mein Hunger ist so groß.“ „Gedulde dich etwas.“ Er strich mir über die Wange und ich zog meine Zähne ein. 

 

„Sehr schön. Ich werde jetzt gehen.“ „Bis später.“ Nach diesen Satz hörte ich die Schritte von mir gehen und die Türe schloss sich wieder. Das Bett war mir zu unbequem und ich hatte wirklich großen Hunger. Wirklich sehen konnte ich immer noch nicht und nur deswegen blieb ich liegen. Einige Gedanken schossen mir durch den Kopf und ich verwarf sie wieder. Ich würde sicher noch genauso aussehen wie vorher und mich nicht verändert haben, das hoffte ich zumindest. Meine schlanke Figur, blieb auf jeden Fall und mein Gesicht hatte sich wohl auch kaum verändert. Mit meinen Händen fuhr ich über meine Gesicht. Das fühlte sich noch genauso an, wie vorher und meine Haare fühlte ich auch. Diese gingen mir immer noch bis zur Hüfte. Mit meinen Händen fuhr ich weiter über meinen Körper. Meine Brüste waren immer noch genauso groß wie vorher. Meine Brüste waren viel zu groß für meine zierlichen Hände, aber perfekt für Männerhände. Ich spürte, dass meine Wunde am Herzen geschlossen war. Das Herz schlug nicht mehr und ich grinste. Ich fuhr weiter an meinem Körper runter. Ich war immer noch genauso dünn wie vorher und fühlte mich genauso an. An den Hüften hörte mein Oberteil auf und ich zupfte dran. Es war aus Seide, aber ich schlief nicht mit Kleidung. Nackt schlafen war schon eher meins, aber ausziehen wollte ich mich in meinen Zustand nicht. Immer noch hatte ich den erregten Zustand von vorher und wollte am liebsten in noch einen Hals beißen. Ich drehte meinen Kopf auf die Seite und starrte in meine verschwommene Umgebung. Das Hungergefühl ließ nach und ich fühlte mich erschöpft. Dadurch verschwamm meine Umgebung noch mehr und ich schloss meine Augen. Es dauerte nicht lange und ich war wieder in meiner Traumwelt, bei meinen Schmetterlingen.  

 

Als ich wieder aufwachte, sah ich wieder normal. Ich wischte mir meine Haare aus dem Gesicht und stockte in der Bewegung. Ich setzte mich auf und schaute mir meine Haare genauer an. Jetzt waren sie schwarz und nicht mehr rot. Damit war ich nicht einverstanden und mir liefen Tränen über das Gesicht. Meine Blutstränen trafen die Decke und sie hinterließen kleine Flecken. Schnell fing ich mich wieder und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Der gute Geruch im Raum war weg und es roch widerlich. Sofort rümpfte ich die Nase und versuchte mich nicht zu übergeben. Es war nicht der Geruch nach etwas verwesten, denn dieser Geruch war nicht schlimm. Diesen Geruch konnte ich nicht zuordnen und ich hielt mir die Nase zu. Schnell warf ich einen Blick zum Fenster und stand vorsichtig auf. Da ich noch etwas wackelig war, brauchte ich beide Hände um das Gleichgewicht zu halten. Nach kurzer Zeit erreichte ich das Fenster und öffnete es. Die frische kalte Luft traf mich hart und ich schüttelte den Kopf. 

 

Vorsichtig ging ich zur Türe und öffnete sie. Erst jetzt merkte ich, dass ich in Pikujas Medizinhaus war. Ich dachte mir vorher schon, dass ich hier war, aber ich war mir nicht sicher. Vorsichtig betrat ich den Gang und zog hinter mir die Türe zu. Langsam ging ich den Gang entlang und schaute an die Türen. Bei einigen Türen, so wie auch an meiner hing ein Zettel mit Besetzt oder Leer. 8 Räume links neben meinem Zimmer, waren besetzt und der Rest war leer. Das Medizinhaus war gut beschriftet, wie ich sah. Am Ende des Ganges, befand sich das Arztzimmer und Gegenüber ein Aufenthaltsraum. Als ich dem Gang folgte, sah ich auf der linken Seite noch ein Arztzimmer und rechts war der Speisesaal. Weiter als bis hier kam ich nicht, denn ich hörte im Gang Schritte. Vorsichtig drehte ich mich um und sah eine Hexe mit weißen Klamotten im Gang stehen. Als sie mich anschaute, zitterte sie und wich zurück. Sie lockte damit meine Triebe und ich leckte mir über die Lippen. Nachdem meine Zähne zum Vorschein kamen, kreischte sie so laut, dass es an den Wänden abprallte. 

 

Ich blieb stehen und schaute sie weiterhin an. Vielleicht lockte sie mich noch mehr, aber Frauen mochte ich nicht so gerne. Diese schmeckten irgendwie seltsam, bei männlichen Dämonen, schien es andersrum zu sein. Leider konnte ich niemanden danach fragen, denn ich war das einzige Dämonenweibchen. Die Hexe schaute mich weiterhin mit großen Augen an und ich roch ihre Angst, obwohl sie weit weg stand. Plötzlich lief sie von mir weg und ich grinste. Jetzt weckte sie meinen Jagdinstinkt und ich lief ihr sofort hinterher. Obwohl es mir nicht gut ging, stolperte ich kein einziges Mal und holte die Hexe schnell ein. Sie war nur noch ein Handgriff von mir entfernt und ich versuchte immer wieder, sie zu bekommen. Plötzlich öffnete sich eine Türe und ich konnte nicht mehr ausweichen. Mit vollen Tempo rannte ich in die Türe und ging zu Boden. Da das Medizinhaus rund war, war ich nun am Eingang und fast wieder bei meinen Zimmer. Ich gab ein schmerzverzehrtes Geräusch von mir und versuchte wieder klar zu sehen. Der Schlag durch die Türe, hatte mein Sehvermögen etwas getrübt. 

 

Wie ich sah, beugte sich jemand über mich und tätschelte vorsichtig meine Wange. „Geht es dir gut, Oney?“, fragte jemand und ich hob die Hand. „Bleib liegen, Oney.“ Diesen Jemand erkannte ich immer noch nicht, aber ich sah schon wieder besser. Mein Kopf schmerzte, aber ich blieb lieber liegen. Nach wenigen Minuten bemerkte ich Pikuja neben mir und neben ihm stand Sallod. Endlich erkannte ich ihn und schaute beschämt weg. „Das Medizinhaus ist kein Spielplatz“, sagte Sallod und lachte. Pikuja zog mich erst in eine sitzende Position und danach in eine stehende. Sallod war einer der älteren Dämonen und wirkte jünger wie andere Dämonen in seinem Alter. Das hatte den Grund, dass er sich jünger machte. Die älteren Dämonen starben viel später, wie wir jüngeren Dämonen. Im Vergleich zu ihm war ich ein kleines Kind mit meinen 18 Jahren. Er hatte kurze dunkelbraune Haare und hatte kräftige Oberarme. Sallod war für alle Handwerklichen Tätigkeiten zuständig und brauchte deswegen auch viel Kraft. Wie ich sah, war auch der restliche Körper gut trainiert, aber das sah ich nur, weil sich sein Leinenhemd spannte.  

 

Als ich zu Pikuja schaute, schaute ich ihn mir auch genauer an, denn ich sah ihn vor meinen Tod noch nicht, aber ich kannte seine Stimme. Er war ein gut aussehender älterer Dämon mit dunkelbrauen, noch fast schwarzen kurzen Haaren. Pikuja war genauso schlank wie wir anderen Dämonen, aber er war etwas größer wie ich. Er sah aus, als wäre er Mitte 30 und wie ich sah, hatte er wunderschöne stechende blaue Augen. Anscheinend bemerkte Pikuja, das ich ihn und Sallod genau anschaute und räusperte sich. Ertappt zuckte ich zusammen und schaute auf den Boden. „Warum bist du nicht in deinem Zimmer?“, fragte Pikuja streng und ich antwortete kleinlaut: „Irgendwas roch komisch und ich wollte da raus.“ „Das schauen wir uns an, Mäuschen. Siehst du schon besser?“ „Ja.“ Pikuja stützte mich etwas und brachte mich auf mein Zimmer zurück. Dort setzte ich mich aufs Bett und schaute ihn an. Sofort schloss er das Fenster und schaute nach dem gemauerten Holzofen, der im Zimmer stand. 

 

„Es ist so warm hier drin“, sagte ich und ließ meine Beine baumeln. Immerhin war das Bett hoch genug und ich grinste ihn an. „Es ist nicht zu warm, Mäuschen. Du sollst nicht krank werden, also deck dich zu.“ „Was ist mit dem Essen?“, fragte ich neugierig und legte mich ins Bett. Pikuja deckte mich zu und antwortete: „Das gibt es später. Du hast nur eine Stunde geschlafen und du brauchst mehr schlaf.“ „Das ist gemein. Ich bin gar nicht müde.“ „Du kannst später baden, wenn du willst.“ „Seh ich anders aus, wie vorher?“ „Warum frägst du?“ „Es kann ja sein, das meine Haare nur rußig sind.“ „Nein. Die sind wirklich schwarz.“ „Das ist schade. Was ist noch anders?“, fragte ich und schaute ihn an. „Deine Augenfarbe.“ Geschockt schaute ich ihn an und fragte: „Was? Meine schönen blauen Augen sind weg?“ „Ganz ruhig. Sie sind nur für ungefähr eine Woche rot.“ Wieder liefen mir Tränen über das Gesicht, aber diesmal wischte sie Pikuja weg und sagte: „Es ist nicht schlimm. Jeder hatte das.“ Nach kurzer Zeit beruhigte ich mich wieder und nickte. „Schlaf noch ein wenig, Mäuschen.“ „Bekomm ich etwas zu trinken?“, fragte ich zögerlich. „Natürlich.“ Pikuja verließ das Zimmer und brachte mir wenige Minuten später eine Tasse Tee. Ich nahm sie ihm sofort ab und trank sie aus. Ich stellte die Tasse neben mich auf einen kleinen Tisch und legte mich wieder zurück. Pikuja verließ das Zimmer und ich schloss nachdenklich die Augen. Mein Kopf tat immer noch weh und ich war wieder müde. Wieder tauchte ich nach wenigen Minuten in meine Traumwelt ein und begutachtete meine Schmetterlinge.  

 

 

TAG 2 02.11.1532

Als ich aufwachte schaute ich mich in meinem Zimmer um und sah Vati neben mir auf einen Stuhl sitzen. „Hab ich lange geschlafen?“, fragte ich und grinste ihn an. „Ja. Es ist der nächste Tag.“ „Oh Mist.“ „Das ist nicht schlimm. Pikuja meinte, es sei sehr gut, wenn du viel schläfst.“ „Ich hab das Essen verpasst“, sagte ich traurig und Vati lachte. „Du bekommst bald, dein Frühstück.“ „Das ist gut.“ „Was ist gestern passiert, Prinzessin?“ „Nichts.“ „Da erzählte mir Pikuja andere Dinge.“ „Ich hab gut gegessen.“ „Das meinte ich nicht, Prinzessin“, kam es strenger. „Du meinst das, mit der Türe oder?“ „Ja.“ „Bist du böse auf mich?“ „Nein und Pikuja ist auch nicht böse.“ „Da hab ich nochmals Glück gehabt.“ „Das Medizinhaus ist trotzdem kein Spielplatz.“ „Ich wollte nach Pikuja suchen und die Hexe hat mich gereizt.“ „Ich weiß es, Prinzessin.“ „Wann darf ich wieder nach Hause?“ „Das wird Pikuja entscheiden, aber du wirst alleine leben.“ „Jetzt schon?“ „Ja.“ „Ich dachte, dass ich erst alleine lebe, wenn ich alles gelernt habe.“ „Du kannst jederzeit zu mir kommen, wenn etwas ist, aber du hast schon ein schönes Haus bekommen.“ „Ich habe etwas Angst davor, aber ich werde es schaffen.“ „Natürlich schaffst du es. Du hast bis jetzt alles geschafft.“ „Ich fühl mich so ausgestoßen.“ „Wir haben dich nicht ausgestoßen. Jeder junge Dämon muss lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.“ „Das weiß ich schon.“ 

 

„Dein Bruder ist auch hier und einige andere junge Dämonen. Ihr seid alle 18, aber du bist die jüngste, Prinzessin.“ „Was passiert in den nächsten Tagen?“ „Ihr werdet lernen euch zu kontrollieren. Wie du siehst, bist du damit nicht alleine.“ „Wie wird das gemacht?“ „Wer mit euch lernt, steht noch nicht fest, aber das wird dir Pikuja sagen. Auf jedenfall habt ihr Termine zum Lernen und zum Besprechen. Die musst du einhalten.“ „Das weiß ich und ich werde die Termine einhalten.“ „Ich werde jetzt Pikuja holen und dann reden wir weiter.“ Ich nickte und Vati verließ das Zimmer. Meine Kopfschmerzen hatten aufgehört und ich setzte mich langsam auf. Lange musste ich nicht warten, bis sich die Türe wieder öffnete und Vati mit Pikuja das Zimmer betrat. „Schön, dass du wach bist, Mäuschen“, sagte Pikuja und schaute mich an. „Ich hab das Essen verschlafen“, sagte ich kläglich und schaute ihn an. „Du bekommst gleich etwas, Mäuschen.“ Vati grinste und setzte sich wieder auf den Stuhl. „Ich denke Morgen kannst du mit den anderen nach Hause gehen.“ „Wann bekommen wir die Termine?“ „Wenn ihr geht.“ „Ok.“ „Willst du jetzt baden oder später?“, fragte Vati. „Ich wollte nach dem Essen baden“, antwortete ich und schaut zu Pikuja. „Die Idee ist gut. Während sie beim Essen ist, wird das Bett frisch bezogen“, sagte er und schaute zu Vati. „Ich hab dir was zu Anziehen gebracht. Zieh es bitte an und lauf nicht wieder fast nackt rum“, kam es streng von Vati und diesmal grinste Pikuja. „Ich zieh mich gleich um.“ „Braves Mädchen“, sagte Vati und tätschelte mir den Kopf. Beleidigt schaute ich ihn an und er meinte: „Ich geh jetzt, Prinzessin. Morgen zeig ich dir dein Haus.“ „Danke und bis Morgen.“ Vati nickte und verließ das Zimmer. 

 

Ich schaute zu Pikuja und fragte: „Was ist jetzt mit dem Essen?“ „Zieh dich bitte um. Wenn du fertig bist, gehen wir gemeinsam zum Essen.“ „Du schaust mir zu oder?“ „Soll ich wegschauen?“ „Ja.“ „Du bist süß.“ „Bin ich nicht.“ „Doch. Die kleine Oney ist schüchtern.“ „Ich bin es nicht gewohnt, dass mich jemand nackt sieht.“ „Durch dein Hemdchen sieht man durch und untenrum sieht man alles.“ „Das ist was anderes.“ „Ist es nicht, aber ich schau weg.“ Sofort griff ich zu der Tasche, die neben dem Bett stand und zog ein Kleid raus. „Vergiss das Höschen nicht“, sagte Pikuja grinsend. Nach diesen Satz holte ich mir ein Höschen aus der Tasche und zog es an. Danach zog ich mein Hemdchen aus und zog mein Kleid an. „Wo soll ich es hinlegen?“, fragte ich Pikuja und er nahm es mir ab. „Es wird dir gewaschen und aufgehängt. Später hast du es wieder.“ „Danke.“ Als wir in den Gang gingen, blieb Pikuja bei einer Hexe in weisen Klamotten stehen und gab ihr mein Hemdchen. Dazu sagte er etwas, aber ich hörte ihn nicht zu. Ohne etwas weiteres zu sagen, nahm er mich an der Hand und wir gingen gemeinsam zum Speisesaal. Als wir dort eintraten, schauten mich alle anwesenden an und Pikuja schloss seelenruhig die Türe. Die anderen Dämonen standen knapp vor mir und als ich Armon sah, ging ich zu ihm und klammerte mich an ihn. „Der Glückspilz“, kam es von einen der anwesenden. „Du bist ein Depp. Das ist seine Schwester“, entgegnete ein anderer. Pikuja stellte sich neben mich und sagte: „Das sind Wem und Dahakt.“ 

 

Ich nickte und schaute mir beide genau an. Der wo zuerst was sagte war Wem. Er war sehr muskulös und hatte schwarzes schulterlanges Haar. Wie mir auffiel, war er viel größer als ich und trug eine Leinenhose, die zu seinem Leinenhemd passte. Seine Augen waren wie meine rot und er grinste mich verlegen an. Daneben stand Dahakt, der einen Sidecut hatte. Das hieß, dass er auf einer Kopfseite, glatt rasiert war. Er war etwas kleiner wie ich und hatte auch rote Augen. Seine Haare schimmerten im Licht und ich grinste ihn an. Armon und ich sahen uns sehr ähnlich. Er hatte schulterlange schwarze Haare, die er nach hinten gebunden hatte und war trainiert. Wir beide waren eitel, was unser Aussehen betraf und achteten beide sehr darauf, was die anderen von uns hielten. Armon und ich hatten dieselbe Mutter, aber er wuchs bei seinem Vater Puka auf und ich bei meinen Vater. Wir hatten erst seit 2 Jahren Kontakt zueinander, aber dafür vertrugen wir uns sehr gut. Bevor ich mir die anderen Dämonen ansehen konnte, meinte Pikuja: „Setzt euch bitte an den Tisch und stellte euch vor.“ Ohne zu zögern setzten wir uns an den Tisch. Links neben mir saß Armon und rechts neben mir saß Dahakt. Neben ihm war Wem und neben diesem saß Barasd. Er war ein sehr dünner Kerl, der etwas größer wie ich war. Wie ich sah, trug er die selbe Kleidung wie Wem, aber das war hier normal, dass die meisten Leinenhemd und Leinenhose trugen. Seine Haare hatte er mit einen Fett oder ähnlichen nach oben gestellt und war an beiden Kopfseiten rasiert. Seine Augen waren rot und er starrte auf den Tisch.

 

Neben ihm saß Naufd und dieser starrte ebenfalls auf den Tisch. Er war kleiner als ich, aber er war sehr muskulös, als würde er jeden Tag Gewichte heben. Seine Kleidung war zerrissen und seine Haare waren kurz geschnitten. Daneben saß Sagad und dieser schaute mich an. Er war genauso groß wie ich und hatte eine dünne Figur, so wie es für einen Dämonen üblich war. Außerdem trug er kinnlange Haare und hatte auch rote Augen. Das was mir bei ihm auffiel, war die teure Kleidung. Es war in dieser Woche normal, dass wir rote Augen hatten und ich würde erst später die richtige Augenfarbe sehen. Neben Sagad saß Xasd, der eher stumm wirkte, als gesprächig. Er war dünn und trug einen Kilt. Woher sein Kilt stammte, sah ich nicht, aber es passte zu seinen hüftlangen Haaren und dem Hemd. Der Letzte am Tisch hieß Deavad. Er war ein dünner Kerl mir kinnlangen Haaren. Genau jetzt band er sie nach hinten und man sah, dass sein Kopf unter den Haaren rasiert war. Die Kleidung war allerdings die selbe wie bei den anderen.

 

Pikuja stellte vor jeden von uns einen Blutkrug und ein Trinkglas. „Bevor ihr jetzt das Blut trinkt, hört ihr mir zu.“ Wir schauten alle zu Pikuja und hörten gespannt zu. „Eure erste Aufgabe ist es, den Krug langsam zu leeren. Ihr müsst eine Kontrolle über den Hunger bekommen.“ „Was ist, wenn man danach noch Hunger hat?“, fragte ich zögerlich und schaute ihn an. „Bei dir wäre es normal noch etwas Hunger zu haben. Bei Männchen ist es anders, aber das erkläre ich jetzt nicht.“ „Weibchen sind also verfressener“, merkte Barasd an und grinste mich an. „Nur die ersten Tage, also sei still und mach dich nicht über Oney lustig.“ „Ich finde es gut, dass sie frägt und wollte mich nicht über sie lustig machen.“ Pikuja nickte und beobachtete uns. Mein Magen knurrte und ich starrte das Blut im Glas an. Bei meinem Hunger war es schwer nicht gleich den ganzen Krug auszutrinken.

 

Mit zitternden Händen schenkte ich mir das Blut ein und nahm das Glas in die Hand. Ich konzentrierte mich und beherrschte mich beim Trinken. Mit langsamen Schlücken leerte ich mein Glas und schaute ab und an zu anderen. Diese Aufgabe lief bei uns allen gut. Nach einiger Zeit, waren die Krüge leer und Pikuja goss mir noch ein Glas ein. „Damit dürftest du satt sein oder?“, fragte er neugierig. „Ich denke schon“, antwortete ich und schaute auf den Tisch. Langsam trank ich das Glas aus und schaute Pikuja an. „Hatte ich recht?“, fragte er und ich nickte. „Ihr könnt zurück auf euer Zimmer gehen und lasst mir Oney in Ruhe. Solang ihr in der Woche seid, dürft ihr euch nicht überanstrengen.“ Dazu nickten wir alle und wir verließen alle zusammen den Speisesaal. Jeder ging in mein Zimmer und ich setzte mich vorerst auf den Stuhl, der neben meinem Bett stand. Kaum saß ich öffnete sich die Türe und Pikuja grinste mich an. „Du wolltest baden oder?“ „Ja. Bleibst du dabei?“ „Ja, aber ich kann wegschauen.“ 

 

Ich stand auf und ging mit ihm in das kleine Badzimmer. In diesen war eine große Kupferwanne, daneben einige Schränke, die zur Ablage und Aufbewahrung von Sachen benötigt wurden und ein Spiegel hing an der Wand. Pikuja entfachte mit einer Handbewegung, einige Kerzen, die auf den kleinen Schränken standen und ging zur Wanne. Zuerst verschloss er die kleine Öffnung in der Wanne mit einen Stöpsel. Danach benutzter er den Hahn an der Wanne, aus dem nun frisches Wasser lief. Es war kalt und ich schaute ihn an. „Ich mach es dir warm, Mäuschen“, sagte er und strich mir meine Haare nach hinten. „Darum geht es nicht. Es geht mehr darum, wie ich das in meinem Haus machen soll. Vati sagte, die erste Woche ist Magie streng verboten, da es zu anstrengend ist.“ „Ja, das stimmt. Lass dich überraschen, Mäuschen. Dein Vater hat sicher an alles gedacht.“ „Na schön.“ „Sonst kannst du zu mir kommen und ich helfe dir.“ „Danke.“ Wie mir auffiel war die Wanne schon fast voll und Pikuja schloss den Hahn. 

 

Wie das alles funktionierte, war mir nicht ganz klar, aber ich musste es auch nicht verstehen. Pikuja fuhr mit der Hand durchs Wasser und es dampfte sofort. Nachdem ich einen Blick zu ihm warf, zog ich meine Kleidung aus und ließ sie auf dem kalten Boden liegen. Vorsichtig, stieg ich in die Wanne und ließ mich ins Wasser gleiten. Dabei gab ich ein wohltuendes Stöhn Geräusch von mir.