Blut der Dämonin 2


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KAPITEL 1

 

FREITAG 02.10.2014

 

Immer noch verwirrt schaute ich auf die Gestalt, die in meinem Wohnzimmer stand. Nikita und Dimitrij waren genauso ruhig wie ich und starrten ebenfalls gebannt auf die Gestalt. Nun erkannte ich auch, wieso es gekracht hatte und wieso die große Staubwolke entstand. Ein großes Bücherregal mit alten sehr staubigen Büchern war umgefallen. Die Person schaute uns an. Besonders mich durchbohrte sie mit bösen Blicken. Stotternd sagte ich, als ich meine Fassung wieder fand: „Vati. Wo kommst du her? Ich dachte, du seist tot.“ „Was fällt dir ein, mir so unter die Augen zu treten? Schämst du dich nicht?“, fragte er wütend und kam auf mich zu. Mein Aussehen war wirklich nicht das Beste, denn ich trug immer noch Nikitas kurzärmliches Hemd und sonst nichts. Nikita wirkte allerdings auch nicht besser neben mir, denn er trug nur sein Boxershort. 

 

Ich stellte Dimitrij auf den Boden ab und sagte: „Geh in dein Zimmer spielen.“ „Ja, Mami.“ Fröhlich lief er in sein Zimmer und als die Türe zu war, giftete mich Vati an: „Wie eine Hure siehst du aus! Ich habe dich als anständiges Mädchen zurückgelassen und jetzt hast du ein Kind von einem Hurenbock!“ „Beruhig dich bitte wieder. Wir sind noch nicht lange wach und haben uns noch nicht angezogen“, entgegnete ich ruhig. „Ist dieser Kerl, der Vater deines Sohnes?“ „Ja.“ „Ich habe euch nicht meinen Segen gegeben. Er ist nicht gut genug für dich.“ „Das kannst du nicht beurteilen. Du warst tot oder verschwunden oder was auch immer.“ „Wer hat auf dich aufgepasst?“ „Onkel Aiogon ist mein Ziehvater.“ „Soso. Ist er mit ihm einverstanden?“ „Ja, ist er.“ „Dann kann er nicht gut für dich sein.“ „Papa. Beruhig dich bitte. Ich hab dich schrecklich vermisst und jetzt wo du wieder da bist, erkenne ich dich kaum wieder.“ „Du bist meine Prinzessin. Meine einzige Tochter. Jetzt wo ich wieder hier bin hast du ein Kind und einen Mann.“ „Wir sind nicht verheiratet.“ „Das hätte mich gewundert, denn du brauchst sehr viel Sex und das kann dir, wie bekannt ist, einer nicht geben.“ „Das ist übrigens Nikita und er ist ein Dämon, wie ich.“ „Das hab ich schon gesehen, aber er wirkt nicht so wie ein Dämon.“ „Er ist der Sohn von Namtad und wurde als Kind von seiner Mutter versteckt. Kennst du die Geschichte?“ „Natürlich kenne ich sie, aber ich kenn ihn noch wo anders her.“ „Da du mich oft beobachtet hattest, kennst du ihn aus der Zeit, wo ich bei Nicolai war.“ „Stimmt. Er ist der Polizist oder?“ „Ja. Nikita ist zu mir gekommen, weil er zu uns gehören wollte und nicht weiter wusste. Vati, äh,  Onkel Aiogon war so lieb uns zur Seite zu stehen.“ „Du hast ihn ausgebildet?“, fragte Vati ungläubig.

 

 „Ich habe ihm viel gezeigt und es ist nicht perfekt. Dafür hätte er dich gebraucht, denn Onkel Aiogon und Puka hielten sich raus.“ „Das kann ich mir gut vorstellen. Haben wir die Akademie noch, Prinzessin?“ „Ja.“ „Das ist schön. Ich werde wieder in die Unterwelt gehen und dort leben. Du hast eine Familie und brauchst das Haus. Eine Frage hätte ich noch Prinzessin.“ „Was willst du wissen, Papa?“ „Mein Konto in der Unterwelt, ist noch da oder?“ „Der Meister hat es noch nicht gestrichen.“ „Sehr schön. Achja. Ich möchte den Kerl besser kennen lernen.“ „Schlaf dich doch erstmal aus. Wie wäre es, wenn ich später zu dir komme und wir essen alle Haggis?“ „Du isst wieder menschliches?“, fragte Vati entsetzt. „Nein. Es war nur eine Idee.“ „Na schön. Bring dein Söhnchen mit. Ich muss jetzt mit Aiogon ein ernstes Wörtchen reden.“ Bevor ich etwas sagen konnte, war Vati verschwunden.  

 

„Ich wusste nicht, das du kochen kannst, Süße“, meinte Nikita und gab mir einen liebevollen Kuss. „Ich kann kochen, aber du solltest dir mehr Gedanken über Vati machen.“ „Warum? Er ist alter, griesgrämiger Dämon, dem seine Tochter das wichtigste ist.“ „Ihm hat meine Männerwahl noch nie gepasst.“ „Mach dir keine Sorgen, Liebling. Aiogon und die anderen Dämonen mögen mich doch auch. Dein Vater will mich kennenlernen und das ist ein gutes Zeichen.“ „Wie du meinst.“ „Wir haben ein Kind zusammen. Er wird kaum verlangen, dass du dich von mir fernhältst.“ „Das stimmt schon irgendwie, aber mir bereitet das alles Kopfzerbrechen.“ „Kopf hoch, Süße. Dimitrij lernt später seinen richtigen Opa kennen und alles läuft normal weiter.“ „Das will ich hoffen.“ Nikita gab mir einen Kuss und wir gingen, nach diesem Kuss, ins Schlafzimmer um uns umzuziehen. „Vor was hast du Angst? Du lebtest doch mit deinem Vater immer Oben. Er wird nicht verlangen, dass du plötzlich Unten lebst.“ „Es ist eben jetzt alles wieder anders.“ „Vielleicht werde ich es später besser verstehen.“ 

 

Nikita hatte nicht nur einen Haustürschlüssel, sondern er wohnte im Prinzip schon bei mir. Seine normale Wohnung behielt er trotzdem noch. Vermutlich, damit er mich nicht einengte oder das er sich zurückziehen konnte. Vielleicht sollte ich ihm sagen, dass ich ihn gerne bei mir hatte und eigentlich insgeheim wollte, dass er fest bei mir einzog. Nikita liebte ich wirklich sehr und wollte ihn auf keinen Fall verlieren. Allerdings wollte ich ihn auch nicht heiraten. Das selbe war bei Pikuja der Fall. Die Beiden waren die Männer, die ich an meiner Seite haben wollte, auch wenn mir Nicolai sehr viel bedeutete. Mit ihm sollte ich vielleicht doch nur lieber im Freundschaftsbereich bleiben und vielleicht ab und an mit ihm Sex haben. Zwischen Nicolai und mir würde es nie gut weiter gehen, auch wenn er ein sehr liebevoller Mann war. Allerdings hatte ich Angst, dass es wieder so werden würde wie früher, denn Nicolai wollte seine Frau nicht teilen. 

 

Nikita riss mich aus meinen Gedanken indem er fragte: „Wann hattest du vor nach Unten zu gehen?“ „Das ist eine gute Frage. Ich wusste nicht einmal, dass Vati dort überhaupt ein Haus hatte. Ich kenne nur das von Onkel Aiogon und Puka.“ „Wir sollten erst zu Aiogon und anschließend zu deinem Papa.“ „Das ist eine gute Idee. Ziehst du Dimitrij um?“ „Klar. Mach dir keinen Kopf, Hübsche.“ „Danke, Liebling.“ Immer wenn ich Liebling sagte, grinste Nikita über beide Ohren. Er sollte wissen, dass ich ihn wirklich liebte und nicht nur so tat. Fertig angezogen ging ich in die Küche und goss mir frischen Tee in meine Tasse. Als ich diesen trank, kam Dimitrij zu mir und fragte: „Wer war der Mann, Mami? Ist er böse?“ „Nein. Das ist dein richtiger Opa.“ „Aber ich hab doch schon einen Opa.“ „Opa Aiogon ist nur mein Ziehvater gewesen. Mein richtiger Papa verschwand vor etlichen Jahren und kam jetzt erst wieder zu uns.“ „Achso. Darf ich Opa Aiogon trotzdem noch sehen?“ „Natürlich, aber du kannst auch zu Opa Gremo.“ „Lernt er mir auch viel?“ „Die Beiden haben mir alles beigebracht und werden auch dir alles beibringen.“ „Uii.“ Nikita kam ebenfalls in die Küche und gab Dimitrij seinen Stofflöwen Leo. „Willst du los, Liebling?“, fragte er unsicher. „Wenn du bereit bist schon.“ „Mit dir an meiner Seite ja.“ Grinsend gab ich ihm einen Kuss und Dimitrij verzog das Gesicht. „Bäh“, sagte er und zupfte an meinem Kleid. Deswegen hob ich ihn hoch und wir zwinkerten uns zusammen nach Unten.

 

Langsam ließ ich Dimitrij runter und nahm ihn an der Hand. Er schaute sich neugierig um und Nikita machte es ihm gleich. „Du warst schon mal Unten, Liebling“, sagte ich und er meinte: „Ja, aber noch nie direkt im Zentrum.“ Ich nickte und wir gingen zum Haus von Onkel Aiogon. Dorthin brauchten wir nicht lange und als wir dort waren, öffnete sich die Türe, rechts neben dem Haus. Vati stand im Türrahmen und meinte: „Hier Prinzessin.“ Ohne zu zögern gingen wir zu diesen Haus und betraten es. Nachdem Vati die Türe geschlossen hatte, meckerte er sofort wieder: „Ich sagte nimm deinen Sohn mit, nicht deinen, was auch immer er ist.“ „Nikita gehört zur Familie und du musst dich damit abfinden.“ „Ist ja gut. Leider ist das Haus etwas zerfallen. Allerdings wird es später noch renoviert. Ich hoffe, das stört euch nicht.“ „Was brauchst du noch, Papa? Ich würde dir gerne helfen.“ „Nichts Prinzessin. Mein Konto ist sogar noch aktiv und ich habe genug Geld um hier zu leben.“ „Was ist mit der Technik?“ „Aiogon hat mich auf den neuesten Stand gebracht.“ 

 

Erleichtert ging ich mit den anderen in die Küche und setzte mich an den Tisch. Die Anderen machten es mir gleich und Dimitrij schaute Opa an. Plötzlich riss er Leo nach oben und sagte aufgeregt: „Schau. Ich hab Leo, denn hat Mami mir geschenkt.“ „Einen schönen Löwen hast du da.“ „Opa Gremo. Hast du etwas zu trinken?“ „Prinzessin? Was trinkt dein Sohn?“ „Er heißt Dimitrij und trinkt wie wir Tee oder Wasser.“ „Sehr schöner Name. Der Tee braucht noch etwas.“ Vati drehte sich um und nahm eine Flasche Wasser. Er stellte diese mit einem Glas auf den Tisch und ich goss Dimitrij das Wasser ein. „Hast du eine Hausdame?“, fragte ich neugierig. „Nein.“ „Was hältst du davon, wenn wir mit dir einkaufen gehen und später als Familie etwas menschliches Essen.“ „Ich bin nicht so begeistert von menschlichen Essen, aber dein Sohn wird ab und an sicher etwas Menschliches essen und da sollten wir als Familie zusammen Essen. Außerdem wolltest du Haggis machen und das liebte ich immer.“ „Dimitrij trinkt hauptsächlich Blut und Nikita gewöhnt sich auch das Essen ab.“ „Ich werde ihn eine Chance geben. Vielleicht kann ich ihm noch einiges beibringen. Wo wollteste du einkaufen, Prinzessin?“ 

 

„Auf unseren Markt, finden wir sicher eine Hausdame für dich und wenn du sonst noch etwas brauchst, können wir zu Gamrigien gehen.“ „Dieses englische Arschloch will ich nicht sehen.“ „Papa!“, sagte ich streng. „Ich weiß, dein Sohn ist klein und soll das noch nicht lernen.“ „Soll ich ihn zu Onkel Aiogon geben und wir kaufen zu dritt ein?“ „Das ist eine gute Idee. So kann ich wieder schimpfen.“ „Papa, bitte. Ich will das du mit Nikita klar kommst und das wir wieder reden können.“ „Ich hab mit Aiogon geredet. Mein Verschwinden hat dir schwer zugesetzt und er war ein guter Ziehvater zu dir. Er liebt dich, als wärst du seine Tochter. Mittlerweile fühl ich mich fehl am Platz.“ „Was ist dir passiert?“ „Das weiß ich nicht. Hast du schon mit Armon geredet?“ „Ja.“ „Da bin ich erleichtert.“ Vati nahm das schnurlose Telefon in die Hand und schaute es irritiert an. „Soll ich dir helfen?“ „Ja“, kam es genervt. „Warum ist Opa, Gremo genervt?“, fragte Dimitrij vorsichtig. „Weil das Telefon nicht so will, wie er will.“ „Achso. Darf ich öfter zu Opa Gremo?“ „Wenn du willst ja.“ „Ich will viel lernen, so wie du Mami.“ Ich nickte und nahm Vati das Telefon ab. „Du musst die Telefonbuchtaste benutzen. Da sind alle Nummern eingetragen. Schau.“ Ich drückte die Taste und eine Liste erschien auf dem Display. Dort wählte ich mit den Pfeiltasten Aiogon aus und drückte auf den grünen Hörer. Anschließend reichte ich Vati das Telefon. Als Onkel Aiogon ran ging sagte er begeistert: „Ich kann telefonieren. Na gut. Oney hat es mir gezeigt.“

 

Onkel Aiogons Lachen war so laut, das ich es auch hören konnte. Vati wechselte das Zimmer und redete mit ihm. Nach kurzer Zeit kam er wieder zu uns. „Der rote Knopf war richtig oder?“ Ich nickte und Vati stellte das Telefon zurück auf die Station. „Ich lerne schnell.“ Ich lachte und fragte: „Darf Dimitrij nun zu Onkel Aiogon?“ „Ja.“ „Ich bring ihn rüber und du lässt Nikita in Ruhe.“ 

 

Vati nickte und ich nahm Dimitrij an der Hand. Gemeinsam gingen wir zu Onkel Aiogon, der schon auf uns wartete  und sofort die Türe öffnete. „Ich hoffe dein Vater bringt Nikita nicht um“, sagte er zur Begrüßung. „Das hoffe ich auch. Vielleicht beruhigt er sich beim Einkaufen etwas.“ „Kauf mit ihm schöne Möbel. Ich denke, das beruhigt ihn.“ „Das denke ich auch.“ „Bis später, Kleines.“ „Bis später und danke.“ „Ich pass gerne auf Dimitrij auf. Er ist doch wie ein richtiger Enkel für mich.“ Grinsend ging ich zurück zu Vatis Haus und klopfte.