Leseprobe Oneys Anfänge



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Ich war 6 Jahre und, wie gesagt, draußen liebte mich jeder, doch zuhause war die Sache ganz anders. Mutti und Vati saßen mit Onkel Aiogon am Tisch. Dort durfte ich nicht sein, sonst bekam ich wieder eine Ohrfeige. Ich saß auf dem Boden und spielte mit meinen Puppen. Die liebte ich, die hörten mir zu, wenn ich ihnen erzählte, dass Papa mir wieder wehtat. Onkel Aiogon spielte auch oft mit mir und lernte mit mir Latein, denn das war wichtig. Für was wusste ich nicht genau. Er sagte nur immer „Oney, Prinzesschen, das ist sehr wichtig für deine Zukunft.“ Ich nickte nur immer und redete ihm nach. So lernte ich Latein mit ihm. Ich hatte ihn lieb. Ich hätte ihn gerne als Papa. Er tat mir wenigstens nicht weh. Jedes Mal, wenn Onkel Aiogon mit mir spielte, schauten meine Eltern wütend und schickten ihn nach Hause. Immer dann, wenn es am meisten Spaß machte. Ich war traurig und heulte jedes Mal, wenn er wieder gehen musste. Danach bekam ich natürlich meine Strafe. Mama ging dabei immer aus dem Zimmer und Papa meinte: „Du warst ein böses Mädchen. Du sollst nicht mit Aiogon lernen! Du lernst mit mir und vor allem. Dämonen heulen nicht! Das musst du langsam lernen!“ Er schlug mich erst und nahm mir dann meine Puppen weg. Ich versuchte nicht zu weinen, aber es klappte nicht. Ich bekam dafür noch mehr Schläge. Warum tut Papa mir das an? Irgendwann zog er mich nach unten in den Keller. Der war dunkel und ich hatte Angst. Ich hörte die Ratten oder Mäuse herumlaufen. Das machte mir Angst. Papa ließ mich alleine stehen und ich bekam immer mehr Angst. Keiner passte auf mich auf. Nicht einmal meine Puppe hatte ich. Mir liefen die Tränen über das Gesicht und was dann geschah, sag ich lieber nicht. Ich habe es eh verdrängt und ihr könnt es euch denken. Die Hure – auch Mama genannt – ließ Papa, das Arschloch, *ich verfluche ihn heute noch*, nicht ran. Also muss das kleine Mädchen herhalten, das unartig war. *Ich könnte heute noch kotzen, wenn ich daran denke.* Danach brachte er mich verheult in mein Zimmer, gab mir meine Puppe und einen Kuss auf die Stirn und meinte: „Ich hab dich lieb, mein Schatz.“ Ich erwiderte verheult: „Ich dich auch, Papa.“ Er ging grinsend und ich dachte etwas nach. Eigentlich hasste ich meine Eltern. Mein Vater machte, was er wollte, und meine Mutter schaute weg. Wie konnte man mir das nur antun? Ich liebte ihn nicht, aber ich konnte schlecht sagen: „Ich hasse dich!“ Wer weiß, was er dann tun würde. Ich wollte unbedingt Aiogon zum Papa haben. Der war lieb und brachte mir etwas bei. Dieser kam wirklich noch an mein Bett, nachdem Papa weg war. Ich knuddelte ihn sofort und meinte traurig: „Warum kannst du nicht mein Papa sein? Ich will, dass du mein Papa bist.“ Er sagte nichts und streichelte mich beruhigend. Er schenkte mir auch eine neue Puppe, die ich unbedingt verstecken musste, bevor Papa sie fand und verbrannte. Onkel Aiogon ging und ich hörte, wie er sich mit Papa und Mama stritt, sie als Hure beschimpfte*da wusste ich nicht, was das bedeutete*. War ich doch nicht ihr Liebling? War ich unerwünscht? Ich hüpfte aus meinem Bett und ging in meinem Nachthemd und meiner Lieblingspuppe zur Treppe. Mein Zimmer war im ersten Stock. Die Erwachsenen saßen in der Küche und tranken Tee. Zumindest dachte ich, dass es Tee war. Es roch danach, aber bei uns im Haus roch es immer nach Tee. Es stand etwas Rotes auf dem Tisch. Was ist das? Ich will das auch probieren. Warum darf ich das nicht? Ich verstand kein Wort von dem, was sie sagten und erschrak vor meinen blutroten Haaren, die mir ins Gesicht fielen. ich schaute wieder zum Tisch und sah, dass Mama nicht dort saß. Ich wurde hochgehoben und hörte: „Oney, du bist ein böses Mädchen. Du sollst schlafen und nicht im Haus herumlaufen. Soll Papa dich etwa wieder bestrafen?“ „Nein, ich hab etwas gehört.“ „Du bist so ein Angsthase. Seit wann stehst du auf? Du bist normal unter der Decke.“ „Aber ich hab Onkel Aiogons Stimme gehört.“ „Schatzi, du sollst schlafen.“ Sie warf mich auf das Bett, knallte die Tür zu und schloss ab. In meinem Zimmer war kein Licht und ich sah schlecht im Dunkeln. Wo war meine Puppe? „Mimi, wo bist du?“, fragte ich leise. Ich suchte mein Zimmer ab. Viel stand hier eh nicht. „Mami, ich will Mimi haben!“ Ich schlug gegen die Tür. Niemand reagierte. Ich ging traurig ins Bett. Ohne Mimi. Ich weinte mich in den Schlaf. Normalerweise passte Mimi auf mich auf.


Am nächsten Morgen*das war der schlimmste Morgen für mich als Kind* ging ich schön angezogen in meinem weißen Kleid in die Küche. Es gab Frühstück und da fand ich Mimi – zerstückelt auf meinem Teller. Ich schaute meine Eltern an und heulte, bis Papa meinte: „Was hab ich dir gesagt? Dämonen heulen nicht!“ Ich nickte nur und wartete, bis Onkel Aiogon wieder kam. Ich will zu ihm. Er ist gut zu mir. Ich durfte nicht einmal raus, denn die blauen Flecken und Striemen konnte man normalen Menschen nicht erklären. Onkel Aiogon kümmerte sich immer um mich und irgendwann meinte ich verzweifelt zu ihm: „Hilf mir bitte, Papa! Bitte hilf mir!“ Ich knuddelte ihn, heulte und zeigte ihm Mimi. Ich bekam von ihm eine neue Mimi. Diese ließ ich nicht mehr los, komme was wolle! Ich klammerte mich an meine Puppe. Onkel Aiogon ritzte mir ein Pentagramm in den Nacken. Das tat sehr weh, aber er meinte beruhigend: „Das muss so sein, Prinzessin. Es wird nicht lange wehtun.“ Er heilte mich. Ab und zu bekam ich sogar kleine Flügel, was mich erschrak. Aber Aiogon beruhigte mich und erklärte mir, wie ich meine Eltern loswerden würde- Er würde für immer für mich sorgen. Also brauchte ich die zwei nicht.


Ich war alleine zuhause, als mich Onkel Aiogon abholte. Er half mir beim Anziehen, drückte mir Mimi in die Hand und meinte: „So, wir machen heute einen kleinen Ausflug.“ „Wohin gehen wir?“ „Zu einem guten Freund, Prinzesschen.“ „Ok.“ Er hob mich hoch und zwinkerte uns in einen Wald. Dort ließ er mich herunter. „Uii, schau mal, Blumen.“ Ich sah schöne lilafarbene Blumen. „Lass die Blumen in Ruhe.“ „Ok.“ Ich ging neben ihm und war fasziniert von dem ganzen Wald. Nach einiger Zeit hob er mich jedoch wieder hoch und meinte: „Hier musst du gut aufpassen. Hier gibt es Werwölfe.“ „Die könnten mich fressen.“ Ich schaute ihn mit großen Augen an. „Ja, genau.“ Onkel Aiogon ging auf eine Anlage zu. Ich schlief halb auf seinem Arm. Als wir die Anlage betraten, merkte ich, dass dort viele Vampire waren. Die machten mir Angst. Ich drückte Mimi fester und vor allem drückte ich mich fester an Onkel Aiogon. *Ich hatte als Kind vor allem Angst.* Leider gingen wir weiter auf die Anlage zu und in ein großes Gebäude, in ein Zimmer. Dort stand ein Tisch und Stühle. Auf dem Tisch waren sehr viele Blätter. Ein großer Mann saß am Tisch. Ich klammerte mich fester an Onkel Aiogon, doch dieser ließ mich runter und der Mann am Tisch fragte: „Hi, Aiogon. Wen hast du denn da mitgebracht?“ „Das ist Oney.“ Ich versteckte mich hinter Onkel Aiogon. „Hat dich mal eine rangelassen oder hast du jemandem sein Kind geklaut?“ „Nein, nein, das ist die Tochter eines Freundes.“ „Achso, dann ist ja alles legal.“ Er stand auf. Er war riesig, fragte aber total lieb: „Möchtest du etwas Schokolade?“ Er hielt mir eine Schachtel mit lauter kleinen Schokoladenstückchen hin. *Mittlerweile weiß ich, dass es Pralinen waren. Hmmm, eine Rumpraline wäre jetzt toll!* Ich bekam große Augen, kam langsam hinter Onkel Aiogon hervor und fragte diesen: „Darf ich eines haben?“ „Ja, nimm dir eins.“ Ich nahm mir zögerlich ein Stück Schokolade und bedankte mich. Er streichelte mir über den Kopf und stellte sich bei mir als Nicolai vor. Da sich nun Nicolai und Aiogon unterhielten, spielte ich mit Mimi. Mir fiel eine Haarsträhne ins Gesicht und ich erschrak. „Wovor ist denn die erschrocken?“ fragte Nicolai Onkel Aiogon *Jaja, wer rechnet schon damit, dass ein Dämon vor seinen eigenen Haaren erschrickt.* Onkel Aiogon antwortete ihm: „Vor ihren eigenen Haaren.“ Er hob mich daraufhin hoch, setzte mich auf seinen Schoß und band mir meine Haare zu einen Zopf. Außerdem bekam ich Haarspangen ins Haar. „Wie alt bist du eigentlich, Oney?“ „6 Jahre“, meinte ich total stolz. Ich grinste lieb und man sah nun meine kleinen niedlichen Eckzähne. *Die sind wirklich putzig. Das denke ich mir auch immer bei Alexja, wenn sie mich angrinst.* Onkel Aiogon ließ mich runter und ich spielte mit Mimi weiter. Plötzlich ging die Bürotür auf und ich kroch so schnell, wie es mir möglich war, unter den Tisch. Nicolai griff nach mir, zog mich heraus und hob mich mit nur einer Hand hoch. *Das kann er jetzt sogar noch.* „Der tut Dir doch nichts. Der musste nur was holen.“ ich rannte daraufhin zu Onkel Aiogon und klammerte mich an ihn. „Du bist ja süß. Wie heißt du denn?“, fragte mich der Mann. Ich antworte nicht und klammerte mich fester an Aiogon. „Geh bitte weg, Sergej. Die Kleine hat Angst“, meinte Nicolai. Sergej ging. Leider kam in dem Moment noch jemand herein: „Ah, hi, Aiogon. Wer bist du denn?“ „Ich bin Oney.“ Ich hielt Mimi ganz fest. „Darf ich der Kleinen Eis geben? Achja, ich bin Peter.“ Onkel Aiogon nickte nur. Peter hob mich hoch und ich hatte schreckliche Angst*Ich hatte Angst vor Peter, der einem nichts tut. Ich war wirklich ein Angsthase.*Peter brachte mich in die Küche und setzte mich dort auf die Arbeitsfläche. Er gab mir einen großen Becher Schokoladeneis. Ich machte große Augen und begann zu essen. „Pass bitte auf dein Kleid auf. Sonst tötet mich Aiogon.“ Der andere aus dem Büro kam herein. Dieser Sergej fragte mich: „Was isst du denn da Schönes?“ „Eis und das ist alles meins.“ „Willst du draußen ein bisschen spielen? Natürlich, nachdem du dein Eis aufgegessen hast.“ „Ja.“ Ich aß mein Eis auf und redete nebenbei mit Mimi. *Für mich lebte Mimi.*Die schauten mich beide etwas komisch an und als ich fertig mit dem Eis war, sprang ich von der Arbeitsfläche. Sergej meinte geschockt: „Pass bloß auf, dass du dir nicht wehtust.“ „Ja, ich pass auf.“ Ich rannte nach draußen. Beide kamen mit einen Ball nach. Wir spielten einige Zeit. Leider fiel ich auf mein Knie und schlug es mir auf. Beide kamen sofort auf mich zu, verbanden mir mein Knie und trösteten mich. *Ja, da war Sergej noch lieb.* Ich ging mit beiden nach drinnen in ein hübsches Zimmer. *Jetzt wusste ich, dass es die Bar war.*Onkel Aiogon nahm mich sofort hoch und schaute mich an „Was hast du gemacht?“ „Ich bin hingefallen.“ „Oney, du solltest besser aufpassen.“ „Ja, mach ich. Meinst du, Papa ist böse auf mich?“ „Nein, er wird nicht böse sein.“ Ich nickte und kuschelte mich an ihn. Ich war müde und schlief ein wenig. Als ich wieder aufwachte, fragte Nicolai: „Das Essen ist fertig. Wollt ihr auch etwas?“ Onkel Aiogon fragte: „Ich schon. Du auch, Oney?“ Ich nickte verschlafen und wurde in ein großes Zimmer mit einem großen Tisch getragen, auf dem viel Essen stand. Ich schaute mit großen Augen. zuhause bekam ich kaum etwas zu essen. Nicolai nahm mich auf seinen Schoß und meinte: „Iss, was du möchtest.“ „Wirklich?“, fragte ich mit großen Glubschaugen … Ende der Leseprobe